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Die Troidischen Drei 
Der Antus 
Geständnisse 
Troiduin 
Pr. Umbridge und die DA 
Der Sprechende Hut 
Science-Fiction Lovestory 

 

Geständnisse

 

1

Dine brachte die Suppe auf Duncans Zimmer, wo dieser bereits tief und fest schlummerte. Leise stellte sie die Schüssel auf den Tisch, damit Duncan nicht aufwachte. Das Essen würde wahrscheinlich kalt sein, wenn er aufwachte, doch zumindest konnte er etwas zu sich nehmen. Sie betrachtete ihren erschöpften Sohn, wie er vermeintlich friedlich schlief. Dine wusste es besser, denn sein Körper war schwer am Arbeiten. Was auch immer ihn in diesen Zustand versetzt hatte, musste vollständig entfernt werden. Besorgt dachte sie darüber nach, was er noch alles durchstehen müsse.

Duncan schlief bis in den späten Nachmittag hinein. Kränklich, aber schon in viel besserer Verfassung, löffelte er die kalte Suppe neben der beruhigenden Musik des Radios. Es tat gut, etwas in den geheilten Magen zu bekommen. Seine Gedanken waren auch endlich klar genug, um über das Geschehene nachzudenken. Wie merkwürdig war dieser Tag gewesen!  Erst wurde er plötzlich krank, so dass er jegliche Besinnung verlor und dann heilte ihn seine Mutter mit einem scheußlichen Gesöff. Woher kannte sie dieses Mittel? Mit Sicherheit war es kein altes Familienrezept. Sie hatten ja nicht einmal lebende Verwandte. Nur er, seine Mutter und sein Vater waren noch übrig, alle anderen lagen unter einer schweren Erdschicht begraben.

Außerdem interessierte er sich dafür, woher seine Mutter wusste, was genau er gehabt hatte. Sie waren nicht beim Arzt gewesen, also wie konnte sie wissen, dass dieses Mittel auch wirklich hilft? Es konnte kaum gegen alles helfen, oder die ganze Welt würde es kennen. Nach dem Geschmack war es nichts Bekanntes. Auch wenn seine Erinnerung an das Getränk durch die Sinnesbeeinträchtigungen schwach war, wusste er wie abscheulich es gewesen war. Alles schien so unbegreiflich.

Es erklang „Linkin’ Park“, eine der angesagtesten Bands im Moment. Das erinnerte ihn an den Vorfall in der Schule, was ihm furchtbar peinlich war. Als Junge weinend aus der Klasse gehen zu müssen, war wohl das schlimmste, was einem passieren konnte. Sogar der Vorfall, wo er nachts an einem See seine Badehose zum Trocknen ausgezogen hatte und ein paar Mädchen daraufhin kichernd von einem Baum weggerannt waren, kam ihm nicht dermaßen peinlich vor. Seinen Freunden gegenüber war es vielleicht nicht sonderlich schlimm, aber er war sicher, dass Chris und seine Bande sich darüber noch Wochen unterhalten würden. Die Neckereien erklangen beinahe in seinem Kopf, so deutlich sah er die Situation vor sich.

Chris, sein Rivale in der Klasse, hatte genau auf so etwas gewartet und Duncan musste es ihm in die Hand legen. Die Waage zwischen den beiden stand seit längerem zu Gunsten von Duncan, da Chris es nicht lassen konnte, einen Sechstklässler brutal zusammenzuschlagen. Duncan erniedrigte ihn seither damit, dass er eine Strafanzeige erhalten hatte und zu Sozialstunden verdonnert worden war.

Der Streit der beiden lief seit Beginn ihrer Schulzeit. Duncan war schneller, dafür war Chris ausdauernder. So gifteten sie sich seither an und warteten nur auf einen Fehler des Anderen. Sogar ihre Freunde wurden mit hineingerissen, so dass sich ein Cliquenkampf entwickelt hatte. Mit seinem Auftritt änderte sich die Lage für Chris, und dieser würde gnadenlos zurückschlagen; das war unumgänglich.  

Seine Sorgen, die vor wenigen Stunden noch ganz andere gewesen waren, wurden von einem seltsamen Geräusch gestört. In der unteren Etage geschah etwas, das er bis in sein Zimmer vernehmen konnte. Es klang, als wütete jemand oder etwas und zerstörte die gesamte Einrichtung. Daneben vernahm er ein Zischen und Pfeifen wie von einem Sturm. Was ging da unten vor? Er sah aus dem Fenster, erkannte jedoch nichts in der anbrechenden Dunkelheit. Kein Wind und auch in dem unteren Fenster war alles still. Wenn dieser Krach nicht von der Küche kam, die sich unter seinem Zimmer befand, dann musste etwas im Wohnzimmer los sein.

Er ging hinaus in den Flur. Kaum dass er die Tür öffnete, zog ein schwacher Luftzug an ihm. Das Geräusch wurde zeitgleich lauter und andere Laute mischten sich darunter, die von schätzungsweise herumfliegenden Gegenständen herrührten.

„Droooy!“, schrie seine Mutter wie eine Furie von unten.

Duncan lief am Geländer entlang zum Anfang der Treppe auf der rechten Seite. Er wunderte sich, dass sein Vater zu Hause war, denn eigentlich befand er sich auf Montage in einer anderen Stadt. Vom Wohnzimmer schien ein helles, grelles Licht in den Treppenflur. Duncan hatte etwas Vergleichbares noch nie gesehen. Es war ungewöhnlich warm und erheiterte sein Gemüt auf unerklärbare Weise, trotzdem verdrängte es nicht gänzlich sein Unwohlsein. Die Situation mit dem Hintergrund vom Morgen säte Angst in ihm. Mutig ging er ein paar Stufen herunter, so dass er einen Blick ins Wohnzimmer werfen konnte, wo das Licht alles Andere überstrahlte.

Der Tag verwandelte sich immer mehr in ein Labyrinth aus Rätseln, die ganz und gar nicht seiner weltlichen Ordnung entsprachen. Er würde nicht eher zurück in sein Zimmer gehen, bis er nicht ein paar Antworten erhielt. Der Wind wurde schwächer, als er weitere Stufen nach unten ging und die Kraft der Strahlen nahm ab, bis in dem Haus eine unheimliche Stille herrschte.

„Wie kannst du hier so auftauchen?“, hörte Duncan seine Mutter toben. Er verstand nicht, was sie meinte. Wovon redete sie? „Der Teppich war als Notlösung gedacht, hast du das vergessen?“

Im Wohnzimmer hing ein alter Wandteppich, den sie wahrscheinlich meinte, aber wie sollte der als Lösung für etwas gedacht sein? In seinem Kopf eröffnete gerade ein Bahnhof, in dem die Züge ohne Ziel oder Herkunftsort durchfuhren. Er schlich sich weiter voran, so dass er unbemerkt blieb und seine Eltern weiter diskutierten. Es war seine Chance mehr zu erfahren, denn er wollte nicht länger im dunklen Tappen.

„Jetzt hör aber mal auf. Das war ja wohl ein Notfall, oder glaubst du, ich sitz dort drüben rum, während mein Sohn an einer Vergiftung stirbt?“, rechtfertigte sich Droy.

Duncan war verwirrt, denn er konnte sich nicht vorstellen, dass ihn jemand vergiften wollte. Woher wusste sein Vater überhaupt davon?

„Du hättest ihm eh nicht helfen können. Das hab ich getan, weshalb du nicht alles aufs Spiel hättest setzen müssen.“

„Das war doch alles viel zu ungenau, als dass wir wissen konnten, ob der Antus überhaupt hilft. Vielleicht hätte er meine Hilfe doch gebraucht. Ich wusste nicht einmal, ob du noch in der Lage warst, den Trank herzustellen. Immerhin hast du es erst einmal gemacht.“

Sie sah ihn durchdringend an. „Na schön, lass uns hoffen, dass er es nicht mitbekommen hat, sonst sehen wir alt aus.“

„Wir müssen ihm das mit dem Antus sowieso erklären. Hast du dir Gedanken gemacht, wie du das anstellen willst, ohne gleich alles auf den Tisch zu legen?“

Sie seufzte. „Darüber können wir nachdenken, wenn der Saustall hier aufgeräumt ist. Und das wirst du jetzt machen, solange ich nach Duncan sehe.“

Um zu verhindern, dass seine Mutter ihn entdeckte und des Lauschens beschuldigte, tat er so, als würde er nur durch Zufall die Treppe herunterkommen und schnurstracks das Wohnzimmer ansteuern, was zumindest teilweise der Wahrheit entsprach. Somit ging er in das Zimmer hinein und erkannte sofort, dass es dem Anschein nach tatsächlich von einem Sturm heimgesucht worden war. Dinge, die normalerweise auf Schränken, dem Tisch oder dem Boden standen, lagen gesammelt an der Wand unter dem Teppich gegenüber vom Eingang. Pflanzen waren umgestoßen und Gläser zerbrochen. Auch die Decke lag zerwühlt am anderen Ende des Raumes. Was ihn am meisten wunderte, waren die verschlossenen Fenster. Woher kam also dieser Sturm samt dem Licht?

„Duncan!“, erschrak sich seine Mutter.

Nachdem sich der erste Schreck von seinen Eltern gelöst hatte, änderte sich das Staunen seines Vaters. Er wirkte auffordernd und durchschauend mit angespannten Gesichtsmuskeln. Es war, als wolle er herausfinden, wie viel sein Sohn mitgehört hatte.

Bevor der Jeansträger mit seinem gelben Pullover etwas sagen konnte, übernahm Duncan das Wort: „Was war das für ein Wind?“ Er zeigte nebenbei auf die am Boden liegenden Sachen.

Seine Mutter sah ihn weiter verdutzt an, als ob ihr schlimmster Alptraum war geworden wäre, und sein Vater behielt diesen fragenden, forschenden Blick. „Und woher kam dieses Licht? Sagt mir doch endlich, was hier los ist! Los, sagt verdammt noch mal etwas!“ Die Stille verärgerte ihn, denn sie verschwiegen ihm etwas, und nach diesem Vormittag beanspruchte er das Recht auf Aufklärung.

„Nicht in diesem Ton, mein Freundchen“, maßregelte ihn sein Vater scharf. „Wir sind deine Eltern, vergiss das bitte nicht.“ Droy war ein liebenswerter Vater, aber wenn etwas gegen seine Prinzipien ging, dann war er in Null-Komma-Nichts auf Hundertachtzig.

„Wenn das überhaupt stimmt. Ich erkenn' euch überhaupt nicht wieder. Diese Geheimnistuereien, dann dieses Wunderheilmittel und dieses Licht. Was geht hier vor?“ „Duncan“, begann sein Vater, wurde allerdings von Dine unterbrochen.

„Droy, die Zeit ist noch nicht gekommen. Wir müssen den rechten Zeitpunkt abwarten. Er ist nicht so weit.“

„Und was willst du ihm jetzt sagen?“, erwiderte Droy, als wenn Duncan nicht dabei wäre. Dieser fühlte sich ein wenig ausgeschlossen, zumal er es nicht verstand.

„Warum wollt ihr mir denn etwas vorenthalten? Ich denke, ich bin alt genug. Bitte erklärt mir das Ganze hier?“

„Duncan, das kannst du nicht verstehen. Halt dich bitte daraus, das ist das beste“, befahl sie ihm mit ruhiger Stimme, während sie den Blick nicht von Droy nahm.

„Aber es geht doch hier um mich, also erklärt es mir doch einfach. Das kann doch nicht so schwer sein“, sagte Duncan flehentlich.

 „Geh bitte wieder auf dein Zimmer, damit dein Vater und ich das besprechen können“, meinte Dine ernst, aber Duncan gehorchte ihr nicht, was zum ersten Mal vorkam. „Duncan!“, hakte sie lauter nach.

Droy sprach nun sehr gewissenhaft und sanft zu ihr: „Dine. Ich glaube, es ist wirklich angebracht, das jetzt zu klären. Wir sollten warten, du hast Recht, aber unter den gegebenen Umständen ist dies einfach nicht mehr möglich. Außerdem befürchte ich, dass wir in Gefahr schweben und ihn darauf vorbereiten müssen. Also bitte, sieh es ein!“

„Es entspricht aber nicht der Tradition“, meinte sie verzweifelt. „Wie sollen wir das den anderen erklären?“

„Es entspricht auch nicht der Tradition, dass Er uns gefunden hat. Deshalb braucht er das Wissen, was wir sowie nicht länger für uns behalten können. Die anderen werden das verstehen, glaube mir. Es ist notwendig für seine Sicherheit.“

Duncan schaute abwechselnd zu den beiden im Raum stehenden Person, weil er nichts verstand. Es kamen tausend neue Fragen auf, die ihm keiner beantwortete. Warum konnte denn niemand Klartext reden?

Dine seufzte geschlagen. „Nun gut, ich hoffe, es ist wirklich das beste und bringt uns nicht in Schwierigkeiten.“ Duncan veranstaltete einen innerlichen Freudensprung. Äußerlich zeigte er seine Aufregung nicht, damit sie es sich nicht wieder anders überlegten.

„Setz dich, mein Junge“, sagte Droy nachdenklich. Er grübelte über das kommende Gespräch nach. „Es gibt einiges zu bereden.“ Dine nahm neben Duncan auf der Couch Platz, während Droy sich in den Sessel fallen ließ, dessen Rücken zu dem Wandteppich zeigte. „Zuerst einmal, wie geht es dir? Hast du dich gut erholt oder tut dir noch etwas weh?“

„Nein, mir geht es soweit ganz gut. Ich fühl mich noch ein wenig müde, aber sonst ist alles in Ordnung.“ Duncan fragte nicht sofort, wie das überhaupt möglich war, damit seine Eltern ihren eigenen Anfang finden konnten.

„Wo fang ich jetzt am besten an?“, sagte Droy mehr zu sich selbst. „Duncan, du bist nun fast 15 Jahre alt.“ Duncan nickte zustimmend. „Normalerweise würdest du es erst an deinem nächsten Geburtstag erfahren, so wie es in unserer Familie üblich ist.“ Duncan fand, dass er endlich auf den Punkt kommen sollte. „Es gibt nämlich ein paar Details, die wir dir aus guten Gründen verschwiegen haben und mussten.“ Soweit war er auch schon gewesen. „Um es nicht noch komplizierter zu machen …“ Endlich. „…du besitzt gewisse Fähigkeiten.“

Das haute Duncan um. Er hatte was? „Wie soll ich das verstehen?“, wunderte er sich, wobei er automatisch grinste, da es lächerlich klang.

Dine drehte sich zu ihm und legte einen Arm um ihn. „Du hast magische Kräfte, mit denen du zaubern kannst, genauso wie wir und alle in deiner Familie.“

Duncan wich von ihr zurück, denn er fühlte sich verarscht. Das konnte nur ein schlechter Aprilscherz sein. Aber es war März. „Was soll das? Ihr macht Witze, oder? Und gleich kommt jemand aus dem Schrank. Versteckte Kamera oder April, April.“

„Duncan, es ist verständlich, dass du uns nicht glaubst, aber es ist die Wahrheit, so absurd es auch klingen mag“, versicherte Dine ihm.

„Und das sagt gerade ihr? Ich habe mich schon immer für Zauberei interessiert, aber ihr meintet ständig, dass es Schwachsinn sei und es nichts dergleichen gäbe.“

Droy erklärte es ihm: „Wir mussten verhindern, dass du herumexperimentierst und zufällig auf deine Kräfte stößt. Wie gesagt, es gibt gute Gründe, warum unsere Kinder es erst mit 15 erfahren.“

Duncan wollte fragen, was diese Gründe waren, aber sein Kopf war mit der Vorstellung allein überfordert. Wie konnte das möglich sein?

„Du glaubst es einfach nicht!“, stellte Droy fest. „Dine, zeig es ihm bitte.“

Er blickte zu seiner Mutter, von der er fast erwartete, dass sie sich vor Lachen nicht mehr einkriegen konnte, aber im Gegenteil sah sie tod-ernst aus. Sie zeigte auf die umgestürzten Dinge auf dem Boden. Als Duncan ihrer Hand folgte, schreckte er zusammen. Was geschah mit den Gegenständen? Sie bewegten sich und begannen zu schweben.

Verständnislos fragte er: „Bist du das?“

Nun begann Dine zu lächeln. „Ja, natürlich.“ Sie richtete die Pflanzen auf und holte mit ihrer Kraft die Fernbedienungen für Fernseher, Videorecorder und Anlage auf den Tisch zurück. Eine davon fing sie mit der Hand auf und reichte sie Duncan. „Du musst es akzeptieren.“

„Das gibt es doch nicht.“ Er war vollkommen verblüfft. „Und das soll ich auch können?“

„Nun“, fing sein Vater an, „wir wissen nicht, welche Fähigkeiten du genau besitzt. Jeder kann etwas Anderes. Es wäre schon denkbar, dass du das gleiche kannst wie deine Mutter, aber es ist eher unwahrscheinlich.“

„Welche Fähigkeiten du hast, das finden wir demnächst heraus.“

Duncan fing an, die Neuigkeiten anzuerkennen, was seine Neugier wieder in den Vordergrund rückte. „Wie viele Fähigkeiten gibt es denn?“

„Genau kann das niemand wirklich sagen.“, antwortete Droy. „Bekannt sind heutzutage um die 130, aber die Magie ist noch ein relativ unbeschriebenes Blatt. Es tauchen ständig neue Wunder auf.“

„Und ihr seid sicher, dass ich solche Fähigkeiten habe? Hätte mir das nicht auffallen müssen?“, zweifelte Duncan niedergeschlagen.

„Aber sicher hast du magische Fähigkeiten“, versuchte Dine seine Zweifel zu widerlegen. „Wie könnte es auch anders sein? Du bist unser Sohn und das macht dich zu etwas Besonderem.“

„Außerdem ist es üblich, dass sich Fähigkeiten erst im 16. Lebensjahr selbstständig zeigen. Davor schlummern sie in deinem Körper und warten auf ihre Aktivierung“, erläuterte Droy.

Duncan nahm sich etwas Zeit, um das alles in den Kopf zu kriegen. „Wie sieht deine Fähigkeit denn aus?“, fragte er schließlich seinen Vater.

Dieser sah ihn eindringlich mit einem verheißungsvollen Grinsen an. Er streckte seine Hand aus, als ob er etwas darauf liegen hatte. Duncan sah genauer hin, doch da war nichts. Plötzlich zuckte er zusammen und warf sich in die Rückenlehne der Couch, denn über der offenen Handfläche seines Vater war eine blaue Energiekugel entstanden, um die rote, fadenähnliche Blitze zuckten. Sie wurde nun größer, bis sie die Höhe eines Kopfes erreicht hatte. „Äußerst gefährlich, aber sehr effektiv. Man nennt es Energieball.“

Im nächsten Moment war die Kugel verschwunden, aber auch Droy war wie vom Erdboden verschluckt. Er hatte sich in Luft aufgelöst, weshalb Duncan ungläubig auf die Stelle starrte. „Was ist passiert? Wo ist er?“ Er befürchtete, dass sein Verschwinden etwas mit dem Energieball zu tun hatte. Sein Herz pochte wie wild. Er verstand nicht, wieso Dine so ruhig bleiben konnte.

„Keine Sorge, er taucht gleich wieder auf.“, meinte sie belustigt. Und einen Augenblick später quetschte sich Droy zwischen die beiden auf der Couch. „Droy, du sollst nicht genau neben mir auftauchen. Du weißt, dass ich das hasse.“ Dine war zur Seite gedrückt worden und ärgerte sich darüber. „Bleib gefälligst hier, wenn ich mit dir rede. Das gibt’s doch nicht.“ Droy war mitten in ihrem Satz verschwunden und erschien in seinem Sessel. „Dein Vater liebt diese Späße und bringt mich damit immer zur Weißglut.“

„Jetzt komm schon. Ein bisschen Spaß muss sein.“ Er sah sie mit Hundeaugen an, dann nahm er sich wieder Duncan an. „Teleportation, mein persönlicher Favorit.“

„Ihr habt also mehrere Fähigkeiten?“, wollte er wissen.

„Die meisten, ja“, antwortete Droy. „Es kommt ganz auf die Person an. Manche besitzen zwei, andere drei und wenige sogar vier Fähigkeiten auf einmal.“

Er zeigte ihm noch seine dritte Kraft, indem er eine der großen Pflanzen im Raum dazu brachte, Dines Wange zu streicheln. „Ach, Droy“, sagte sie daraufhin.

„Wie hast du das gemacht?“

„Ich bin mit den Pflanzen verbunden und kann sie dazu bringen, bestimmte Sachen zu machen.“

„Und du?“, er sprach zu Dine. „Hast du nur die eine Kraft?“

Der Blick seines Vaters änderte sich schlagartig in ein böses Starren. „Wie bitte?“ Duncan wusste, dass er ihn verärgert hatte. „Ich möchte nicht noch einmal von dir hören, dass du jemanden so verachtend fragst, ob er nur eine Kraft hat. Es ist völlig gleichgültig, wie viele Fähigkeiten jemand besitzt. Haben wir uns da verstanden?“

Zum Boden blickend bestätigte er seinem Vater kurz, dass er es verstanden hatte. In Wirklichkeit hatte er es überhaupt nicht so gemeint, aber bei Droy musste man aufpassen, was man sagte. Unhöflichkeit und Respektlosigkeit erwiderte er strikt mit harten Blicken und einschüchternden Worten. Niemand würde sich trauen, ihm in dieser Verfassung die Stirn zu bieten.

Dine lenkte das Gespräch wieder in eine angenehmere Gegend, indem sie seine Frage beantwortete. Sie sah es längst nicht so eng wie Droy. „Ich kann mich ebenfalls glücklich schätzen, mehr als eine unglaubliche Fähigkeiten in mir zu tragen.“ Sie bewies es ihm mit ganz einfachen Mitteln. Duncan wartete auf ihre Vorstellung, doch es geschah nichts. Dann bemerkte er, dass sie größer war, als er, obwohl sie noch saß. Nein, er hatte sich geirrt. Sie war nicht gewachsen, sondern in der sitzenden Position in Richtung Decke geschwebt. Sie konnte fliegen, wie einst Peter Pan es vorgemacht hatte. Mit ausgestreckten Beinen kam sie langsam dem Boden näher und sah dabei aus wie eine Kriegerin aus einem japanischen Film, wo die Kämpferinnen von einem Baum zum nächsten gleiten konnten und auf Messerspitzen standen. Anstatt allerdings neben Duncan zu landen, flog sie geschickt zum Sessel und ließ sich auf Droys Oberschenkeln nieder.

Gespielt gab Droy einen wehleidigen Ton von sich, als wenn das Gewicht ihn erdrücken würde, lachte jedoch gleichzeitig. „Ach, hör auf“, meinte Dine harsch.

Sie lachten und Droy fügte hinzu: „Du hast es halt noch nicht verlernt. Nach all den Jahren nicht.“

„Natürlich nicht, mein Schatz“, stimmte Dine ihm lächelnd zu.

Duncan war verwirrt. „Soll das heißen, ihr habt eure Kräfte die ganze Zeit gar nicht eingesetzt?“

„Selbstverständlich nicht“, bestätigte Droy. „Wir konnten auf keinen Fall riskieren, dass du etwas mitbekommst. Außerdem setzt man seine Kräfte nicht leichtsinnig ein, sondern nur, wenn es nötig ist."

„Ich verstehe immer noch nicht, wieso ihr mir das nicht sagen konntet. Was wäre denn daran so falsch gewesen?“

Dine hatte diese Frage befürchtet und verstand Duncans Ratlosigkeit. „Es ist vollkommen verständlich, dass du es nicht verstehst. Dazu fehlt dir in gewissen Dingen die Erfahrung, aber in ein paar Jahren wirst du nachvollziehen können, warum wir es dir verschwiegen haben.“

„Was deine Mutter damit sagen will, ist, dass unsere Gründe wichtig waren. Wenn wir hier Zauberei anwenden, dann ist es viel leichter uns aufzuspüren. In den jungen Jahren unserer Kinder wollen wir dieser Gefahr aus dem Wege gehen, damit ihr ohne die Probleme der Welt aufwachsen könnt. Hinzu kommen die Schwierigkeiten, die man mit ungezogenen Kindern hätte, die über so weitreichende Mächte verfügen. Hauptgrund bleibt allerdings das Böse, das da draußen lauert. Wir wollen euch nicht in so jungen Jahren damit konfrontieren, also gibt es diese Tradition. Mit 15 erfahren die Kinder über ihr Schicksal und bereiten sich allmählich darauf vor.“

„Und wer entscheidet so etwas? Jemand muss das doch vorgeschrieben haben.“

Droy sah hilfesuchend zu seiner Frau, bevor er antwortete: „Ähm, das… das waren wir Zauberer, unsere Gemeinschaft.“

Duncan ignorierte das Zögern seines Vaters. „Und es gab keinen anderen Weg? Ihr könnt doch sicher auch Zaubersprüche und so was verwenden.“

„Ja, das können wir schon, zusätzlich zu unseren besonderen Kräften, aber trotzdem ist es nicht so einfach, wie du dir das vorstellst. Wir sagten bereits, in ein paar Jahren wirst du unsere Entscheidung verstehen.“

Duncan war unzufrieden mit dieser Begründung, aber es brachte ihm eindeutig nichts, weiter zu diskutieren, weshalb er auf seine brennenden Fragen zurückkam. „Also, du hast die Energieball-, die Pflanzen-, und die Teleportierfähigkeit“, fasste er auf Droy gerichtet zusammen. „Und du kannst Gegenstände bewegen und fliegen …“

„Ja, aber das war noch nicht alles“, freute sich Dine über den Themenwechsel. Sie hatte sichtlich Spaß daran, ihre Fähigkeiten zur Schau zu stellen.

Duncan erwartete gespannt eine weitere unvorstellbare Darbietung. An der Decke vernahm er unerwartet ein Geräusch, und als er sich diesem zuwandte, erkannte er eine schwarze Gewitterwolke mitten in ihrem Haus. Staunend beobachtete er, wie die Masse sich wie aus dem Nichts vergrößerte und dunkler färbte. Seine Mutter konzentrierte sich eingehend darauf, bis drei kleine Tropfen auf Duncan nieder rieselten und an seinen Nasenflügeln entlangliefen. „Danke“, meinte er entgeistert.

„Das war noch nicht alles“, meinte Dine. Sie machte eine Handbewegung zu der kürbisgroßen Wolke, woraufhin sich diese teilte und mit einem kräftigen Schlag wieder zusammenprallte. Daraus entstand ein Blitz, der zielgenau den Docht einer Kerze traf, die Dine gleichzeitig mit ihrer anderen Fähigkeit vom Boden heraufgeholt hatte, so dass eine kleine Flamme erwachte. „Die Verbindung mit den Wolken ist etwas Wunderbares.“

„Das kann ich mir vorstellen“, meinte er ehrfürchtig. „Wenn ich so was nur könnte.“ Ihm war es nicht möglich, zu glauben, dass er derartige Fähigkeiten in sich trug. Allein die Tatsache, dass seine Eltern so machtvoll waren, verdaute er nur langsam.

„Aber sicher hast du sie“, verwarf Droy etwas sauer die Zweifel. „Es besteht kein Zweifel darin. Du bist unser Sohn.“

„Das glaubt ihr, aber wisst ihr das genau? Vielleicht wurde ich ja vertauscht.“ Ihm war natürlich bewusst, dass bei der Ähnlichkeit zwischen ihm und seinem Vater kein Zweifel bestand, dass er ihr rechtmäßiger Sohn war, allerdings war Logik an diesem Tag alles Andere als angebracht.

„Jetzt hör aber auf. Das ist doch lächerlich.“ Droy verstand die Überlegungen seines Sohnes nicht. „Sobald du wieder gesund bist, werden wir deine Fähigkeiten herausfinden, also mach dir darüber keine Sorgen.“

„Am besten, wir erzählen dir noch etwas Wichtiges über diese Fähigkeiten. Wie du erkennen konntest, gibt es bestimmte Unterschiede zwischen ihnen. Die meisten von uns besitzen sowohl eine normale als auch eine naturelle Fähigkeit. Zu den normalen zählen Teleportation und die Telekinese. Die naturellen, wie die Verbindung mit den Wolken oder Pflanzen, sind hingegen sehr viel schwieriger zu beherrschen, aber dafür tausendmal stärker. Das kommt allerdings darauf an, wie gut man sich auf die Natur einlässt. Wir Zauberer haben seit Beginn unseres Lebens diese Veranlagung, mit der Natur im Einklang zu sein, und das habe ich auch bei dir schon oft entdeckt. Du pflegst deine Pflanzen und kümmerst dich rührend um Tiere. Das sind eindeutige Zeichen für deine Fähigkeiten.“

Duncan fand diese Erklärung logisch, doch war ihm das als Beweis nicht genug. Erst wenn er selbst diese Kräfte spürte, würde er es glauben können. „Ihr besitzt also diese magischen Kräfte und deshalb wusstet ihr, was heute mit mir los war? Ich hab vorhin mitgehört, wie ihr meintet, dass ich vergiftet worden wäre. Stimmt das? Wer hätte denn einen Grund, mich umzubringen. Dämonen?“

Droy lehnte sich in seinem Sessel zurück. „Nun, wir… wir Zauberer sind eigentlich dazu da, um die Schwachen gegen böse Mächte zu beschützen, das ist wie bei der Polizei oder anderen Organisationen. Das ganze Leben dreht sich im Grunde genommen nur um den Kampf zwischen Gut und Böse. Du müsstet alt genug sein, um das zu verstehen.“ Duncan nickte zustimmend. „Von jeher herrscht normalerweise ein Gleichgewicht, zwischen den Seiten, aber Dämonen und verkommene, machtsüchtige Leute versuchen stets, die Kontrolle zu erlangen. Einer dieser… bösen Zauberer hat vor langer Zeit einen Kampf verloren und trachtet nach der Ausrottung unserer Familie. Er hat dich vermutlich vergiftet.“

„Und deshalb sind so wenige von uns übrig“, verstand Duncan und seine Eltern ließen ihn in dem Glauben. „Aber wie konnte er uns finden? Habt ihr etwa Magie angewendet?“

„Auf gar keinen Fall“, verwarf Dine entrüstet diesen Vorwurf. „Wir haben seit deiner Geburt in Abstinenz gelebt und das bis heute.“

„Wir wissen leider noch nicht viel darüber. Dieser Zauberer, er hat große Macht und hat irgendeinen Weg gefunden, uns aufzuspüren, daran besteht für mich kein Zweifel.“

Duncan dachte darüber nach. „Und ihr habt einmal gegen ihn gekämpft? Wenn er verloren hat, wieso läuft er dann noch frei herum?“

Droy schüttelte bereits den Kopf. „Nein, wir haben nicht gegen ihn gekämpft, sondern unsere Vorfahren. Wenn er tatsächlich noch lebt, dann ist er uralt. Einige behaupten, er hätte einen Weg zur Unsterblichkeit entdeckt, andere glauben, dass er schon längst verstorben ist, aber sein Geist weitermacht, bis seine Rache vollendet ist. Wir wissen es jedoch nicht. Irgendwie taucht er immer wieder auf. Und in diesem Kampf damals wurde er besiegt, das stimmt, aber man konnte ihn nicht töten.“

„Seht mal wie spät es schon ist“, meinte Dine auf die Uhr vom Videorecorder blickend. „Duncan, du musst dich unbedingt wieder hinlegen. Der Trank, den ich dir gegeben habe, hat die Vergiftung gestoppt und ihr zum Teil entgegengewirkt, aber jetzt brauchst du Ruhe. Der Antus kann deine Körperkräfte zwar unterstützen, aber eine vollständige Genesung kannst du bei einer solchen Krankheit nach so kurzer Zeit nicht erwarten. Dein Körper muss sich mindestens noch eine Nacht oder besser einen Tag erholen.“

„Aber ich fühl mich ganz gut. Ihr habt mir jetzt schon alles 14 Jahre lang verschwiegen, reicht das nicht?“

„Hör auf deine Mutter. Sie hat recht. Wir werden morgen weiterreden, aber jetzt ist es zu spät.“

„Bitte, nur noch ein paar Sachen. Also, dieser Trank heißt Antus?“, fragte er hastig. „Woher kennt ihr den?“

„Der Antus ist ein uraltes Familienrezept, der gegen so gut wie alles hilft. Einen stärkeren Genesungstrank gibt es nicht, dafür ist er aber auch schwer herzustellen“, sagte Dine kurz und bündig. „So, nun aber ab ins Bett.“

„Warte, wie konnte mich denn dieser böse Zauberer vergiften? Ich hab doch nur Sachen aus unserem Haus gegessen, also muss er hier drin gewesen sein. Was ist, wenn er jetzt hier ist?“

Droy musste ihn beruhigen. „Keine Sorge, es liegt ein Schutz auf der oberen Etage. Dort kann kein Dämon oder böser Magier hin. Unsere Kräfte reichten leider nicht aus, um das ganze Haus zu verzaubern, aber hier unten sind wir ja immer bei dir. Solange uns im Schlaf nichts passieren kann, müssten wir in Ordnung sein. Trotzdem musst du jetzt Acht geben, besonders bei Fremden, aber auch bei scheinbar Bekannten. Jeder, der dir seltsam vorkommt, ist ab jetzt verdächtig.“

Schnell überlegte Duncan sich eine neue Frage, die er beantworten haben musste, bevor er zu Bett ging. „Eine letzte Sache noch. Dieser Wandteppich soll eine Notlösung sein? Was ist damit und was war mit diesem Lärm vorhin und das beeindruckende Licht?“

Dine gab sich ein letztes Mal geschlagen und beantwortete seine Frage: „Der Wandteppich ist ein recht alter, magischer Gegenstand, mit dem man reisen kann. Es gibt verstreut viele dieser Teppiche, so dass man schneller von einem Ort zum anderen gelangt. Sie dienen sozusagen als Tor, dass wir als Notlösung hier haben, für den Fall, dass man schleunigst verschwinden oder rapide zurückkommen muss. Das grelle Licht wurde von dem Tunnel ausgestrahlt, der entsteht, wenn man die richtigen Worte sagt. Es ist ein sehr einladendes, warmes Licht, das einem die Reise erleichtert.“

„Ja, es war so seltsam. Ich hatte noch nie zuvor so etwas Schönes gesehen“, meinte Duncan träumerisch.

„Es ist in der Tat ein kleines Wunder, doch es kann auch eine Droge sein. Die Glücksgefühle sollte man sich nicht einzig und allein von einem Licht holen. Ich muss schon zugeben, dass mich die Reise deswegen immer besonders reizt. Es macht so einen Spaß. Du wirst es sicherlich auch noch erleben, aber nicht heute.“

„Und der Wind kam auch daher?“, setzte er ein, bevor sie das Thema beenden konnte.

„Genau, der Tunnel erzeugt einen Sog, der einen mitreißt, wenn man hineinspringt. Er ist in anderen Worten der Träger, durch den du durch das Licht wandelst. Ein kleiner Nebeneffekt ist die Verwüstung nach der Benutzung. Dein Vater konnte es sich ja nicht nehmen, auf diesem Weg hier herzukommen.“

„Das hab ich doch nun schon erklärt, warum ich ihn benutzt habe“, sagte Droy sichtlich genervt, weshalb Dine ihn zufrieden anschmunzelte. „Du hättest an meiner Stelle genauso gehandelt.“

„Aber sicher!“, meinte sie mit einem deutlichen Unterton. Zu Duncan gerichtet fügte sie hinzu: „So Spatz, jetzt geht’s aber ab ins Bett. Du brauchst deinen langen erholsamen Schlaf.“

„Und was ist morgen mit der Schule?“

„Die fällt aus“, sagte Droy wie selbstverständlich. „Nach so einer Krankheit bleibst du die nächsten Tage mindestens noch zu Hause. Und jetzt aber ab mit dir.“

Hin- und hergerissen von den Tatsachen seiner ihm so unbekannten Familie verließ er mäßigen Schritts das Zimmer. Seine Trägheit war nahezu wie weggeblasen, aber er wagte es nicht, irgendetwas zu überstürzen. Die Erinnerungen an die Schmerzen waren zu frisch. In Gedanken versunken stieg er schließlich die Treppen hinauf, weshalb er nur wenig auf die Stufen achtete. Die vorletzte wurde ihm somit zum Verhängnis. Er stolperte dank seiner Unachtsamkeit, hielt sich jedoch im letzten Moment am Geländer fest. Es war ihm glücklicherweise nichts weiter geschehen, so dass er sich mit beiden Händen aufrichten konnte. Seinen Eltern hatte er damit allerdings einen gewaltigen Schreck versetzt. Im Flur versicherten sie sich, dass er sein Zimmer heil erreichte.

In seinem Bett angelangt spürte er viele seiner Knochen, sogar solche, von deren Existenz er keine Ahnung gehabt hatte. Der kleine Ausflug hatte ihn mehr Kraft gekostet, als ihm bewusst gewesen war. Nun überkam ihn erneut die Müdigkeit, welche er den Großteil des Tages gefühlt hatte. Die anhaltende Radiomusik schickte ihn schnell in das Land der Träume, so dass er die Gedanken von Magie, wundersamen Fähigkeiten, einer Familie voller Zauberer und seinen persönlichen Selbstzweifeln vergaß.

 

2

 

„Nun weiß er es endlich!“, meinte Dine, sich auf die Couch werfend. Der Tag hatte sie stark mitgenommen, was sich am Abend schließlich bemerkbar machte.

„Nun ja, zumindest um seine Kräfte weiß er. Damit kann er sein Training beginnen. Ich bin bloß froh, dass er es so gut aufgenommen hat.“

„Stimmt, ich kann mich an meine Einweihung erinnern. Damals bin ich fast ausgeflippt. Mann, war ich wütend auf meine Eltern.“

„Mir ging es nicht anders. Das zeigt allerdings, dass wir bei der Erziehung vielleicht doch nicht so große Fehler gemacht haben.“

Geschafft meinte Dine leise: „Das hoffe ich.“ Sie legte sich hin und schloss die Augen. „Aber wer weiß, wie er reagiert, wenn er den Rest erfährt.“

„Auf seine Fähigkeiten freut er sich bestimmt, aber auf die Pflichten auf Corid vielleicht nicht. Das war es damals, was mich am meisten störte. Ach nein, das stimmt gar nicht. Dass ich meine Freunde verlassen musste, das hat mich am meisten gestört.“

„Unsere alten Freunde. Wie wir sie vermisst haben. Es kam alles so Schlag auf Schlag. Ich bin froh, dass Duncan ein wenig Zeit hat, sich erst an das eine zu gewöhnen, bevor er den nächsten Schritt gehen muss.“

„Er ist stark; das packt er schon. Wie lange er die Krankheit ausgehalten hat, ist schon beachtlich, da wird er auch mit ein paar Veränderungen klar kommen.“

Dine lachte spöttisch. „Ein paar Veränderungen? Sein ganzes Leben wird sich auf den Kopf stellen.“

„Du hast recht, es ist verdammt viel. Aber er wird vorbereitet sein. Immerhin wird er der erste seit wer weiß wie vielen Jahren sein, der seine Fähigkeiten vor der Reise nach Troid kennt.“

„Mir wäre es lieber gewesen, er hätte es erst an seinem Geburtstag erfahren, wie es die Tradition verlangt. Richard wird ausflippen, wenn er davon Wind bekommt.“

Droy beobachtete innig seine bereits einschlummernde Frau. „Genau aus diesem Grund sollten wir es nicht an die große Glocke hängen. Behalten wir es für uns.“

„Großvater wird es bereits wissen“, warf Dine ein und öffnete wieder ihre Augen. „Er wird es hoffentlich verstehen.“

„Apropos Großvater, ich werde jetzt einmal Kontakt mit ihm aufnehmen. Er weiß vielleicht mehr über die Ursache von Duncans Vergiftung. Ich verspreche dir, wer auch immer dahinter steckt, bekommt gewaltigen Ärger. Und wenn ich jeden Dämonen jagen muss, um es herauszufinden.“

Dine hatte ihre Augen schon wieder geschlossen. Sie war sehr müde. „Mach das, mein Schatz. Morgen kümmern wir uns dann um Duncans Fähigkeiten.“ Sie schlief ein und ließ Droy mit seinen Gedanken allein.

Er richtete sich auf und begab sich ins Schlafzimmer, von wo aus er mit Großvater in Verbindung trat.

 


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